21.06.2017

Prof. Liane Buchholz fordert regulatorische Datenfabrik für Sparkassen

Sparkassenpräsidentin erteilt "small banking box" eine Absage / Nationale Aufsicht habe bei Richtlinienkompetenz Spielräume

Soest (21. Juni 2017). Für eine zentrale regulatorische Datenfabrik der Sparkassen hat sich heute Prof. Dr. Liane Buchholz, Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, ausgesprochen. Die Datenanforderungen der Aufsichtsbehörden sollten in Zukunft nicht mehr bei jeder der 393 Sparkassen einzeln erfolgen.

"Zurzeit sind in jeder Sparkasse dauerhaft mehrere Mitarbeiter damit befasst, Meldebögen der Regulatoren oder Banksteuerungssysteme zu füllen. Mit der Einrichtung einer zentralen regulatorischen Datenfabrik könnten wir den Zugang für die Aufsichtsbehörden so organisieren, dass Sparkassen ihre Kapazitäten schonen. Die Kräfte sind im Kundengeschäft besser aufgehoben", so Prof. Dr. Buchholz. Sie sprach heute in Soest im Rahmen der Verbandsversammlung des Sparkassenverbandes vor rund 200 Trägervertretern und Vorständen der westfälisch-lippischen Sparkassen.

"Wir sind an allen Stellen dabei zu digitalisieren. Warum also nicht auch auf der Ebene Sparkasse und Aufsichtsbehörde?" Vorbild sei Österreich, wo die bislang größte europäische Meldewesenfabrik mit den Daten von 800 Instituten gegründet worden sei. Buchholz wertete diese Einheit als "sinnvolles fachliches und technisches Outsourcing mit enormem Potenzial für regulatorische Entlastung".

Die Antwort der Sparkassen auf die Regulierungsanforderungen müsse Innovation sein, so die Sparkassenpräsidentin. In diesem Zusammenhang erteilte sie dem auf EU-Ebene diskutierten Konzept der "small and simple banking box" eine Absage. Dieses Konzept soll regulatorische Entlastung für Institute bringen, die eine bestimmte Größe nicht überschreiten. Prof. Dr. Liane Buchholz dazu: "Es macht keinen Sinn, Größenklassen in die Sparkassenorganisation hineinzutragen." Sie untermauerte ihre Position mit drei Argumenten:

Neben zusätzlichen Kosten, die dadurch entstehen würden, dass für jede Größenklasse eigene regulatorische Regeln gelten, seien sogenannte Klippeneffekte zu befürchten, indem Institute ihre Geschäftspolitik an einer regulatorischen Größenklasse ausrichteten. Zudem wandte die Verbandspräsidentin ein, dass eine Trennlinie die Geschlossenheit der Sparkassenorganisation aufbreche.

"Die Sparkassen in Westfalen-Lippe sind weder klein noch simpel", hielt Buchholz fest, "alle unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass wir allen und dabei auch komplexen Kundenbedürfnissen gerecht werden können."

Sie forderte stattdessen von der deutschen Bankenaufsicht, innerhalb ihres Entscheidungsrahmens für Erleichterung zu sorgen. Buchholz: "Eine große Zahl an Regularien mit Richtliniencharakter kann von der deutschen Bankenaufsicht an die Besonderheit von regional tätigen Kreditinstituten angepasst werden. Jede nationale Aufsichtsbehörde hat Umsetzungsspielräume, die den Besonderheiten der heimischen Kreditwirtschaft gerecht werden können." Hier müsse die Sparkassenorganisation auf ein Umdenken hinwirken. Auf diese Weise lasse sich die für Sparkassen notwendige Differenzierung erzielen.

Bei Rückfragen:
Andreas Löbbe
Tel.:   0251 2104-609
             0171 6208588
E-Mail: presse@svwl.eu


Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe

So erreichen Sie uns

Anfahrtsskizze

Regina-Protmann-Straße 1

48159 Münster

Telefon 0251 2104-0
Telefax 0251 2104-209
E-Mail info(at)svwl.eu
Webseite www.svwl.eu